Zahnarzt gesucht – in Ravières/ Lavoirs aus der Bourgogne (7)

Ein kräftiger Biss ins krustige Baguette – die Brücke wackelt und wir brauchen einen Zahnarzt. Das kann passieren, wird aber mit einem Boot unterwegs auf dem wunderschönen Canal de Bourgogne zu einem Problem. Denn hier gibt es herrliche Dörfer, aber nur sehr wenige Zahnärzte. Nicht in Tanlay und auch nicht in Ravières, wie wir nach dem Anlegen feststellen. Überhaupt scheint hier wenig los zu sein. Ein Einwohner hat sogar ein Schild über seine Haustür genagelt mit dem Hinweis, dass hier am 17. April 1891 überhaupt nichts geschehen sei, „strictement RIEN“.

Für andere Tage in der Vergangenheit trifft dies jedoch nicht zu, wie wir beim Spazieren durch das Dorf feststellen können. Eine monumentale Kirche, ein Schloss und viele, sehr alte Häuser im Dorfkern zeugen von einer bewegten Geschichte. Auch ein etwas verloren wirkendes Lavoir entdecken wir am Dorfrand. Es ist im Jahr 1828 während der großen Zeit des Kanalbaus entstanden. Aber weder das rote, eine Restaurierung ankündende Schild unter dem Dach noch die abbröckelnden Steine und die vielen feuchten Flecken auf der Wand können seine Schönheit verbergen. Sieben mit Rundbögen aus Sandstein ummauerte Tür- und Fensteröffnungen lassen das Lavoir wie auf Pfeilern dem Himmel entgegen streben. Innen ist das rechteckige, in den Fußboden eingelassene Becken bereits überarbeitet, die abgeschrägten Waschsteine rechts und links erneuert. Das Rinnsal im Becken entspringt einem kleinen Bach unter dem Gebäude, der das Waschhaus mit Wasser versorgt.

Hier wird zwar keiner mehr Wäsche waschen, aber bei der Einweihungsfeier zwei Jahre später dokumentieren alte Fotos die aktive Zeit des Lavoirs, und einige Damen aus dem Heimatverein führen die harte Arbeit des Wäschewaschens vor.

Für die Franzosen ist das Erbe ihrer Vergangenheit kein Luxus, sondern eine Bereicherung ihrer Kultur, auch wenn das Geld für eine Restaurierung oft mühselig beschafft werden muss. Zwar sind nicht wenige Lavoirs auf der Suche nach Nutzflächen zerstört, als Garage oder Abstellschuppen missbraucht worden, aber viele entdecken ein zweites Leben als Ausstellungshalle, Treffpunkt für kulturelle Veranstaltungen oder als Gedenkort an die Wäscherinnen in der alten Zeit – wie hier in Ravières.

Die wackelige Zahnbrücke hielt noch eineinhalb Monate durch – bis zu unserer Ankunft im Heimathafen.

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